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Letzte Aktualisierung:     21.07.2010

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Alternative Ernährungsformen

 

Wer wirklich abnehmen und auch langfristig sein Gewicht halten möchte, sieht sich oft vor schwierige Fragen gestellt: Welche der vielen angepriesenen Diäten und "Alternativen Ernährungsformen" sind denn nun sinnvoll und welche als kritisch zu beurteilen? Welche bringen nicht nur kurzfristig, sondern auch dauerhaft den erwünschten Erfolg, welche schaden dem Organismus mehr, als sie helfen? Diese Fragen werden im folgenden Beitrag aufgegriffen.

 

Was unterscheidet "Alternative Ernährungsformen" von Diäten?

Im Gegensatz zum englischen Sprachgebrauch, dem der griechische Wortstamm und Sinngehalt von "diaita" als Ernährungs- und Lebensweise zugrunde liegt, ist der Begriff "Diät" im deutschen Sprachgebrauch nicht positiv besetzt und bezeichnet im allgemeinen eine Ernährungsweise mit dem Ziel der Gewichtsreduktion.

Hingegen orientieren sich sogenannte "Alternative Ernährungsformen" etymologisch an "diaita". Menschen, die eine alternative Ernährungsform praktizieren, sehen im Essen und Trinken weit mehr als das Stillen eines Grundbedürfnisses. Alternative Ernährungsformen implizieren eine ganzheitliche Kultur und Lebensweise und sind nicht zweckorientiert im Sinne einer kurzfristigen Ernährungsumstellung zur Gewichtsreduktion. Es gibt nicht den einen Grund, von Durchschnittskost zu einer alternativen Ernährungsform zu wechseln. Naheliegende Motive können z. B. sein

· Einsicht in die Entstehungsmechanismen von Zivilisationskrankheiten bzw. von mit Fehlernährung assoziierten Krankheiten

· eine subjektive Befindlichkeitsstörung

· ethische, philosophische, mystische, mythische, gesundheitliche, kosmetische oder ökologische Motive.

Alternative Ernährungsformen

Was charakterisiert alternative Ernährungsformen?

· Bevorzugter oder ausschließlicher Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln und von Produkten aus ökologischem Landbau

· Vermeidung übermäßig verarbeiteter Lebensmittel

· Vermeidung von Zusatzstoffen

· Teilweise Ablehnung von geschlachteten Tierkörpern

· Anspruch auf gesundheitlichen Wert.

Welche alternativen Ernährungsformen gibt es?

Die bekanntesten Formen sind Vollwerternährung nach Körber / Männle / Leitzmann, Hay'sche Trennkost, Makrobiotik und Vegetarismus. Sie werden in der Übersicht hinsichtlich ihrer Lebensmittelauswahl, Lebensmitteleinteilung, verfolgten Ziele, kritischen Nährstoffe und Nährstoffrelation (auf der Basis berechneter Kostpläne) verglichen.

Alternative Ernährungsformen sollten nicht unkritisch betrachtet werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und andere ernährungswissenschaftliche / ernährungsmedizinische Fachgesellschaften haben für die wünschenswerte Zufuhr und Bedarfsdeckung Nährstoffempfehlungen erarbeitet, die auch für alternative Ernährungsformen ihre Gültigkeit haben.

Ermittelt man diese Relation für die genannten alternativen Ernährungsformen, so lässt sich feststellen, dass die den Empfehlungen nahe kommen. Insbesondere die niedrige Fett- und Cholesterinzufuhr parallel zu einer hohen Menge an Ballaststoffen ist erstrebenswert. Allerdings gibt es Versorgungslücken bei kritischen Nährstoffen, die ein gesundheitliches Risiko bergen. Insbesondere die bedarfsdeckende Zufuhr von Eisen, Vitamin D und Vitamin B12 gestaltet sich bei alternativer Ernährungsform oft schwierig. Um hier einer Unterversorgung vorzubeugen, bedarf es profunder Sachkenntnis; beispielsweise kann der Bedarf von Vitamin B12, das in pflanzlicher Nahrung kaum vorkommt, über fermentierte Produkte wie Sauerkraut gedeckt werden und die schlechte Verfügbarkeit von Eisen pflanzlicher Herkunft durch den gleichzeitigen Verzehr von Vitamin-C-haltigen Nahrungsmitteln verbessert werden.

Übersicht: Alternative Ernährungsformen

Vollwert-Ernährung

Lebensmittel-Auswahl: Vorwiegend laktovegetabil, zur Hälfte als Rohkost, geringer Verarbeitungsgrad,

Produkte aus anerkannt ökologischem Landbau, keine Zusatzstoffe, regionale Herkunft der Lebensmittel

Lebensmitteleinteilung: Einteilung der Lebensmittel in vier Wertstufen:

1. Unerhitzt, unverarbeitet (z.B.Rohkost, Milch, Milchprodukte, auch Vollkornbrot und Kartoffeln).

2. Erhitzt (z.B. Fisch, Fleisch, Eier)

3. Stark verarbeitet (z.B. Wurstwaren)

4. Isolierte Substanzen (z.B. Limonade)

Verfolgte Ziele: Optimale Nährstoffversorgung, geistige und seelische Leistungsfähigkeit, soziale und Umweltverträglichkeit, Prävention ernährungsabhängiger Erkrankungen, Gesundheit, Senkung der Kosten im Gesundheitswesen.

Hay´sche Trennkost

Lebensmittelauswahl: Differenzierung nach Säure- und Basenbildner, vorwiegend laktovegetabil, reichlich basenbildendes Obst und Gemüse.

Lebensmitteleinteilung: Einteilung der Lebensmittel in drei Gruppen:

1. Konzentriert kohlenhydratreich(z.B. Getreide, Kartoffeln, Honig)

2. Neutral (z.B. Fett, Weichkäse, Salat, Gemüse)

3. Konzentriert eiweißreich (z.B. Fleisch, Fisch, Milch, Hartkäse, Nüsse)

Verfolgte Ziele: Keine Übersäuerung des Organismus, Gesundheit, Heilung von Krankheiten wie Colitis, Rheuma etc.

Kritische Nährstoffe: Kalzium, Eisen, Jod, Vitamin D

Makrobiotik

Lebensmittelauswahl: Vorwiegend vegetabil, viel Vollgetreide, Hülsenfrüchte, Samen, Nüsse, Algen, Sojaprodukte, kaltgepresste Öle. Lebensmittel aus der gleichen Klimazone. KEINE Milch, Milchprodukte, Genussmittel, Süßstoffe, Zucker, Honig, Konserven, Tiefkühlkost.

Lebensmitteleinteilung: Einteilung der Kost in 10 Wertstufen, von -3 bis +7.

Stufe -3 setzt sich zusammen aus 10% Vollkornprodukten, 30% Gemüse, 10% Suppen, 30% tierisches Eiweiß, 15% Salate und Früchte, 5% Nachtisch. Der Anteil an Vollkornprodukten nimmt stufenweise zu, bis zu Stufe 7, die zu 100% aus Vollkornprodukten besteht.

Verfolgte Ziele: Einklang mit dem Kosmos, Bewusstseinserweiterung, Gesundheit.

Kritische Nährstoffe: Protein, Kalzium, Eisen, Vitamin B2, Vitamin B12, Vitamin D

Vegetarismus:

Einteilung: Ovo-Lakto-Vegetarier: KEIN Fleisch, Fleischprodukte, Fisch.

Lakto-Vegetarier: zusätzlich keine Eier.

Veganer: zusätzlich keine Milch, Milchprodukte, Honig

Rohköstler: zusätzlich keine gekochte Nahrung

Verfolgte Ziele: Zurück zum gesunden Menschenverstand, Gesundheit und Lebensfreude, Stärkung der körpereigenen Abwehr, Verringerung der Schadstoffaufnahme, Schonung der natürlichen Ressourcen, Ernährung als Teil der Körperkultur.

Kritische Nährstoffe:Jod, Eisen, Vitamin B12, Vitamin D. Bei Veganern zusätzlich Protein, Kalzium, Vitamin B2

 

Ein fragwürdiger Faktor für die Bewertung sind Aussagen zur Heilkräftigkeit, die von manchen alternativen Ernährungsformen ausgehen. Z. B. werden bei der Hay'schen Trennkost Lebensmittel, die kohlenhydratreich und solche, die eiweißreich sind mit der Begründung der "Ordnung des Säure-Base-Haushaltes" nicht zusammen verzehrt. Eine Kombination ist jeweils nur mit Speisen aus der "neutralen" Gruppe erlaubt. Die Trennung nach Säuren- und Basenbildner ist schwierig und unnötig, die Lebensmittelauswahl dieser Diät ist unausgewogen.

 

 

 

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